Bonner Querschnitte 27/2018 Ausgabe 544

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Religion: Ursache oder Heilmittel von Ungleichheiten in der Gesellschaft?

PRESSEMELDUNG DES CISG DER UNIVERSITÄT BONN

Diskussion auf dem Global Media Forum 2018 mit dem UN-Berichterstatter für Religionsfreiheit Dr. Ahmed Shaheed, Prof. James D. Bindenagel und Prof. Dr. Dr. Thomas Schirrmacher

(Bonn, 10.08.2018) Am 12. Juni 2018 war das Center for International Security and Governance (CISG) und das Internationale Institut für Religionsfreiheit (IIRF) Gastgeber einer Podiumsdiskussion auf dem Global Media Forum der Deutschen Welle.

Foto: Ahmed Shaheed und Thomas Schirrmacher bei der Diskussion © BQ/WarneckeDer Schwerpunkt lag auf dem Thema Religion, und die zu diskutierende Frage war, ob Religion Ursache oder Heilmittel für soziale Ungleichheiten ist. Dr. Ahmed Shaheed (UN-Sonderberichterstatter für Religions- und Glaubensfreiheit) und Prof. Dr. Dr. Thomas Schirrmacher (Direktor des IIRF) – zwei Experten auf dem Gebiet der Religion und der Menschenrechte – diskutierten dieses Thema.

Prof. Bindenagel konnte nicht teilnehmen, sandte jedoch eine Videobotschaft, die am Anfang gezeigt wurde. In diesem Video stellte er klar, dass Religion eine Sicherheitskomponente beinhaltet und dass darüber hinaus bei ihr Emotionen eine entscheidende Rolle spielen. Die Bedeutung von Emotionen wurde auch von Schirrmacher ausführlich behandelt. Er sagte, dass sie Religion zu einem konstitutiven Faktor für die Identitätsbildung machen können. Shaheed formulierte es so: Aufgrund des emotionalen Aspekts kann Religion für Menschen attraktiver sein als Politik. Diese Ansicht weist auf wohltuende Aspekte des Christentums, des Islam, des Judentums usw. hin. Shaheed hob ferner historische Entwicklungen und die Rolle der Religion darin hervor: die Konzepte von sozialer Gerechtigkeit, Würde und Menschenrechten, die in Glaubenssystemen inhärent gegenwärtig sind.

Foto: Ahmed Shaheed spricht im Plenarsaal des ehemaligen Bundestages beim Global Media Forum © BQ/WarneckeAbgesehen davon, dass Religion ein Ansatzpunkt für Würde, Menschenrechte usw. sowie ein Korrektiv für Politik ist, kann sie aber auch als Katalysator der Gewalt wirken, so Bindenagel. Im Gegensatz zur Palette der zuvor besprochenen positiven Aspekte, haben Emotionen auch das Potenzial, missbraucht zu werden. Religiöse Führer lassen sich dazu hinreißen, gemeinsame Überzeugungen als Mittel zur Ausgrenzung, Unterdrückung und Manifestation sozialer Ungleichheiten einzusetzen. Shaheed betonte, dass Ungleichheiten zwar nicht inhärent zur Religion gehören, aber von religiösen Autoritäten oft praktiziert werden.

Schirrmacher zufolge hat der religiöse Einfluss – teilweise extremistisch – in den letzten Jahren zugenommen, und Shaheed stellte fest, dass die Toleranz gegenüber anderen religiösen Gruppen stark von den Autoritäten abhängig ist. Dennoch zeigt die Geschichte, dass Religion oft ein Anker für die Friedensförderung ist. Daher betont Shaheed in seiner Funktion als UN-Beobachter die Notwendigkeit, das Recht auf Religionsausübung, aber nicht die Religionen selbst, zu sichern.

Foto: Ahmed Shaheed und Thomas Schirrmacher bei der Diskussion © BQ/WarneckeAuf den Punkt gebracht: Was ist die angemessene Antwort auf die oben genannte Frage? Wie Prof. Bindenagel anfangs ausführte, kann Religion sowohl Heilung als auch Ursache von Gewalt und Ungleichheiten sein. Shaheed fügt hinzu, dass das Image der Religion – vor allem des Islam – gegenwärtig schlecht ist, wenngleich dieser Einschätzung nur Einzelfälle zugrundeliegen. Doch Wahrnehmungen können sich mit der Zeit ändern, und es ist sehr wichtig, dass Glaubenssysteme nicht über internationalem Recht stehen.


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