Bonner Querschnitte 10/2021 Ausgabe 681

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WEA und European Freedom Network gründen neues globales Netzwerk zur Verstärkung der Bemühungen im Kampf gegen den Menschenhandel

(Bonn, 16.09.2021) Die Weltweite Evangelische Allianz (WEA) und das European Freedom Network (EFN) geben mit großer Freude die Gründung eines neuen globalen Netzwerks zur Bekämpfung des Menschenhandels bekannt. Weltweit sind schätzungsweise 43 Millionen Menschen von dieser modernen Form der Sklaverei betroffen, bei der Frauen, Männer und Kinder ausgebeutet, gekauft und verkauft werden, um wirtschaftlichen Gewinn zu erzielen. Das neu gegründete World Freedom Network (WFN) wird eine Vielzahl von Organisationen und Experten zusammenbringen, die sich speziell mit der Frage befassen, wie sich die Kirchen engagieren und eine einzigartige Rolle bei der Bekämpfung dieses Problems in ihrem eigenen lokalen Wirkungsbereich spielen können. Leanne Rhodes, die bisher als Exekutivdirektorin des EFN tätig war, wurde zur internationalen Direktorin des neuen Netzwerks ernannt.

Leanne Rhodes © privat„Menschenhandel ist ein globales organisiertes Verbrechen und bedarf einer globalen Antwort, um es zu bekämpfen. Ich bin begeistert zu sehen, wie das World Freedom Network ein integraler Bestandteil der Lösung wird, indem es christliche Fachleute, die in diesem Bereich arbeiten, ausrüstet und verbindet und Kirchen auf der ganzen Welt dazu bringt, auf lokaler und nationaler Ebene zu handeln. Wir können so viel mehr erreichen, wenn wir alle zusammenarbeiten. Wir haben die Stärke dieses Ansatzes in Europa gesehen, und wir beim EFN freuen uns, nun andere Regionen dabei zu unterstützen, dasselbe zu tun“, sagte Rhodes bei ihrer Ernennung.

Menschenhandel ist ein komplexes Problem, das weltweit unterschiedliche Formen annimmt. In einigen Regionen liegt der Schwerpunkt auf dem Handel mit Arbeitskräften, in anderen auf dem Handel zum Zweck sexueller Ausbeutung. Andere Länder tragen eher durch den Kauf von Konsumgütern zu diesem Problem bei. Im europäischen Kontext hat EFN, das zur Europäischen Evangelischen Allianz gehört, eine öffentlichkeitswirksame Kampagne mit dem Titel „Don’t Shut Your Eyes“ (dt.: „Verschließ Deine Augen nicht“) durchgeführt. Sie zeigt auf, wie Pornografie den Menschenhandel anheizt und klärt die Kirchen und die Öffentlichkeit darüber auf, wie man Anzeichen von Menschenhandel erkennen kann und wie man Menschen hilft, sich davon zu befreien.

Ziel des WFN ist es, unabhängige regionale Netzwerke aufzubauen, die sich mit dem Problem in ihrem jeweiligen Kontext befassen und sich gleichzeitig mit anderen Regionen zusammenschließen, um die globale christliche Antwort auf den Menschenhandel zu vertreten. An vielen Orten wird das WFN auf den bestehenden Strukturen und Bemühungen der regionalen und nationalen Evangelischen Allianzen der WEA aufbauen können, die Kirchen und Dienste in 143 Ländern zusammenbringen.

 „Als Nachfolger Jesu ist es unser Auftrag, uns im Kampf gegen den Menschenhandel zu engagieren. Mit über 600 Millionen Evangelikalen, die über alle Regionen der Erde verteilt sind, freue ich mich auf die positiven Ergebnisse, die erzielt werden können, um dieses Verbrechen gegen die Menschheit zu bekämpfen“, sagte Rhodes.

EFN LogoDie gebürtige Australierin, die in Portugal lebt, leitete mehrere Jahre lang das EFN-Netzwerk von 270 christlichen Organisationen aus 42 Ländern und gründete Abolishion, eine multinationale Organisation, die sich dafür einsetzt, die Systeme aufzubrechen, die Menschen in Sklaverei halten. Ihre frühere Arbeit in der Gemeindeentwicklung hat sie in zahlreiche Länder in Asien und Afrika geführt. Rhodes hat einen IT-Abschluss und ein Diplom in Theologie und schließt derzeit einen Master of Arts am Alpha Crucis College ab, wobei sie sich in ihrer Abschlussarbeit mit der Frage beschäftigt: „Was ist der Modus Operandi, den Menschenhändler anwenden, um Menschen online für den Zweck sexueller Ausbeutung zu rekrutieren?“

Mit Blick auf die lange Geschichte des evangelikalen Engagements im Kampf gegen den Menschenhandel wies Bischof Dr. Thomas Schirrmacher, Generalsekretär der WEA, darauf hin, dass der Begriff „evangelikal“ erstmals im 19. Jahrhundert auftauchte und sich auf die Christen im Vereinigten Königreich bezog, die gegen die Sklaverei kämpften. Die WEA hat dieses Erbe übernommen, als sie 1846 in London gegründet wurde, etwa dreizehn Jahre nachdem die Sklaverei in Großbritannien offiziell abgeschafft worden war.

„Als ich für mein Buch über Menschenhandel recherchierte, stellte ich mit Erstaunen fest, wie ähnlich unsere heutige Vision der Vision ist, die diese Christen vor mehr als 175 Jahren hatten“, sagte Schirrmacher und fügte hinzu: „Die berühmte Hymne aus dieser Zeit, ‚Amazing Grace‘, ist fast so etwas wie eine Nationalhymne der Evangelikalen. Es enthält eine sehr persönliche Sicht der Erlösung durch Gnade, spricht aber auch die globale politische Situation an, da es von einem Sklavenhändler geschrieben wurde, der zum Glauben an Jesus Christus kam und darum rang, zu begreifen, dass Gott ihm in seiner Gnade eine zweite Chance und die Möglichkeit gab, sich nun als führender Abolitionist für seine ehemaligen Opfer einzusetzen.“

Die WEA befasst sich schon seit einigen Jahren mit diesem Thema durch ihre Task Force Menschenhandel und ihre Arbeit bei den Vereinten Nationen. Das neue Netzwerk soll die vielen Facetten und Komponenten dessen, was auf globaler, regionaler und nationaler Ebene und schließlich auch an der Basis in den Wohngebieten getan wird, zusammenbringen und den Rahmen erweitern.

„Evangelikale engagieren sich in einer Vielzahl von lokalen, nationalen und transnationalen Organisationen gegen Rassismus, Sklaverei und Menschenhandel. Sie setzen sich für schärfere Gesetze und besseren Schutz ein und betreiben weltweit Schutzhäuser für Menschen, die aus der Zwangsprostitution aussteigen“, sagte Schirrmacher und äußerte: „Ich freue mich sehr, dass all diese Aspekte nun sichtbar zusammengeführt und vernetzt werden können, so dass wir unsere globale Lobbyarbeit zu dieser Thematik stärken und die nationalen Allianzen besser dabei unterstützen können, sich mit einer Stimme an ihre Regierungen und Mitbürger zu wenden.“

„Wir wissen zwar, dass der Kampf gegen den Menschenhandel kein Sprint, sondern ein Marathon ist, aber als Evangelikale werden wir weiterhin an vorderster Front für diejenigen eintreten, die dem Übel der modernen Sklaverei zum Opfer gefallen sind, und wir werden uns für ihre Freiheit und Wiedereingliederung einsetzen“, schloss er.


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