Herausgeber: Thomas Schirrmacher
Titel: Bibeltreue in der Offensive: Die drei Chicagoerklärungen zur biblischen Irrtumslosigkeit, Hermeneutik und Anwendung. Herausgegeben und übersetzt von Thomas Schirrmacher, 3. überarb. Aufl. 2009, VKW: Bonn, 2009.
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Beschreibung: Warum waschen wir uns nicht gegenseitig die Füße, obwohl Jesus Petrus doch den Befehl zum Füßewaschen gegeben hat? Sind die Worte, die die Bibel aus dem Munde Satans berichtet, auch ‚Gottes Wort‘? Hat der Teufel bei der Versuchung Jesu die Bibel nicht gerade wörtlich und trotzdem falsch verstanden, als er Jesus aufforderte, von der Tempelzinne zu springen? Sind alttestamentliche Gebote, die wir nicht mehr praktizieren, immer noch Gottes Wort? Ist es denn nicht möglich, nur an Gott zu glauben, ohne daß die Bibel zwischen Gott und dem Menschen steht? | |
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Solche Fragen werden auch von Christen gestellt, die die Bibel mit Altem und Neuem Testament für das göttlich inspirierte und deswegen unfehlbare und irrtumslose Wort Gottes halten. Bibeltreue Christen sind deswegen gefordert, das Bekenntnis zur Irrtumslosigkeit der Heiligen Schrift im Detail zu bewähren und den am Text entstehenden Fragen nicht durch kurze Formeln auszuweichen, so berechtigt diese zur schnellen Kennzeichnung der eigenen Position auch sein mögen.
Eine verantwortungsvolle, bibeltreue Position will nicht schlüssige Theorien über die Bibel aufstellen, sondern nur zusammenfassen, was die Bibel über sich selbst sagt, beziehungsweise darstellen, wie sie uns selbst entgegentritt. Dementsprechend ist es wesentlich, daß sich eine solche Position nicht nur darüber Rechenschaft gibt, was die Bibel an sich ist, sondern auch, wie sich das Wesen der Bibel in der Auslegung ihrer verschiedenartigen Texte und Teile auswirkt.
In den drei Chicago-Erklärungen haben namhafte, bibeltreue Theologen verschiedenster Kirchen und Denominationen aus aller Welt in übersichtlichen Artikeln des Bekennens und des Verwerfens im Detail erarbeitet,
1. was das Wesen der Schrift und ihrer Inspiration ist (Chicago-Erklärung zur biblischen Irrtumslosigkeit, 1978); 2. wie die Schrift dementsprechend im einzelnen auszulegen ist (Chicago-Erklärung zur biblischen Hermeneutik, 1982); 3. und welche Antworten sich bei einer solchen Auslegung für einige der brennenden Tagesprobleme unserer Zeit ergeben (Chicago-Erklärung zur biblischen Anwendung, 1986).
An der Erarbeitung der Erklärung sind Theologen aus aller Welt beteiligt gewesen. Es ist erstaunlich und erfreulich, daß sie sich trotz ihrer unterschiedlichen Traditionen und Positionen nicht nur auf allgemeine Grundsätze einigen konnten, sondern bewiesen haben, daß die biblische Irrtumslosigkeit in der konkreten Auslegung differenziert und qualifiziert werden kann und muß.
Das Ergebnis dieser ungeheuren Leistung sollte von vielen weiteren bibeltreuen Missionswerken, Bibelschulen, Seminaren und Gemeinden besser genutzt werden, zum Beispiel, indem sie die eine oder mehrere dieser Erklärungen als Bekenntnisgrundlage in ihre Satzungen etc. aufnehmen, wie dies etwa mit der Grundlage der Evangelischen Allianz üblich ist. Die Chicago-Erklärungen ermöglichen es etwa, von Dozenten und Referenten nicht nur ein pauschales Bekenntnis zur Bibel zu erlangen, das durchaus unterschiedlich verstanden werden kann, sondern konkret aufzuzeigen, welche bibeltreue Vorgehensweisen und Grundsatzentscheidungen an einer Ausbildungsstätte oder einem Missionswerk erwünscht sind. Es wäre begrüßenswert, wenn die Chicago-Erklärungen auch im deutschsprachigen wie im angelsächsischen Bereich zu einem ‚Markenzeichen’ werden könnten, das bibeltreue Christen und Werke miteinander verbindet. Mit der ersten Erklärung ist das auch schon vielfach der Fall. In der Fachorganisation der evangelikalen Theologen und Hochschullehrer in den USA, der ‚Evangelical Theological Society’ (ETS), genoß die erste Chicago-Erklärung seit ihrer Verabschiedung hohes Ansehen. Während der 56. Tagung der ETS im Jahr 2004 wurde zur Konkretisierung des Begriffes „Irrtumslosigkeit“ auf die Chicago-Erklärung verwiesen. Die weltweit bedeutendste Arbeitsgemeinschaft evangelikaler Theologen hat damit ihre Verbundenheit zu dieser Erklärung bekräftigt.
Für die Verwendung der Chicago-Erklärung oder Erklärungen als Grundlagenpapier für Ausbildungsstätten, Arbeitsgemeinschaften und Theologenvereinigungen sprechen vor allem folgende Gründe:
1. Bibeltreue wird hier nicht oberflächlich beschrieben, sondern im einzelnen so ausgeführt, daß viele kritische Rückfragen und Probleme – auch aus den eigenen Reihen – verantwortungsvoll beantwortet werden.
2. Bibeltreue wird hier nicht im Sinne einer bestimmten Konfession oder Denomination beschrieben, sondern auf eine sehr breite Basis gestellt, ohne daß dabei der Bekenntnischarakter und die Klarheit im Konkreten verloren geht, wie es bei Konsensusdokumenten leicht der Fall ist.
3. Bibeltreue wird hier vom Bekenntnis zur Bibel über Prinzipien der Auslegung hin zu konkreten Ergebnissen der Auslegung in der dritten Erklärung durchgeführt. Dadurch wird unmißverständlich deutlich, daß die beste Sicht der Bibel nichts nützt, wenn ihr Inhalt nicht ernstgenommen wird. Zugleich erfolgt damit die Abgrenzung von Gruppen wie den Zeugen Jehovas, die formal die Bibel für irrtumslos halten, zugleich jedoch das Zeugnis der Bibel über ihren Autor, den dreieinigen Gott, und über ihre Mitte, Jesus Christus, in Frage stellen.
4. Bibeltreue ist hier nicht der Feind guter, gründlicher – durchaus auch wissenschaftlicher – Arbeit an der Bibel. Zehn Jahre akademischer Arbeit und Diskussion stehen hinter diesem Versuch, der modernen Welt die Inspiration und Irrtumslosigkeit der Schrift zu beschreiben und von der Schrift her Antworten auch auf aktuelle Fragen zu geben.
5. Die Erklärungen greifen auf die Erfahrung und das Wissen einer großen Gruppe anerkannter bibeltreuer evangelikaler Theologen zurück, was auch die Namen des Vorstandes und des Beirates zeigen (in Auswahl):
Prof. Dr. Gleason L. Archer Prof. Dr. Jay Adams Dr. Greg Bahnsen Prof. Henri A. G. Blocher Prof. Dr. James M. Boice (Vorsitzender) Prof. Dr. Edmund P. Clowney Dr. W. A. Criswell Prof. Dr. Charles L. Feinberg Prof. Dr. Norman Geisler Prof. Dr. Harold W. Hoehner Prof. Dr. Kenneth Kanzer Prof. Dr. James Kennedy Prof. Dr. Henry Krabbendamm Prof. Dr. Samuel Külling Prof. Dr. Gordon Lewis Prof. Dr. Harold Lindsell Dr. John F. MacArthur Jr. Dr. Josh D. McDowell Prof. Dr. Warwick Montgomery Prof. Dr. James I. Packer Luis Palau Prof. Dr. Earl D. Radmacher Prof. Dr. Francis Schaeffer Prof. Dr. R. C. Sproul Prof. Dr. John F. Walvoord |